Digitalfotografie: Es kommt doch auf die Kamera an

Seit seligen Filmtagen steht es, das Gesetz der Ausrüstung: Nicht die Kamera macht die Bilder! Was vor der digitalen Fotografie noch eine  Halbwahrheit war, hat sich inzwischen zu einem veritablen Märchen entwickelt.

Ein kurzer Blick zurück

Früher, als wir noch selbst entwickelten und Abzüge in der Dunkelkammer herstellten, oder uns für Farbaufnahmen auf Umkehrfilme verließen, da war die Kamera kaum mehr als was ihr Name sagte: ein Raum. Öffnete man seine Tür – den Verschluss – kam Licht rein, traf auf den Film, belichtete und fertig. Das Bild war jetzt latent vorhanden, es musste nur noch sicht- und haltbar gemacht werden. Dazu diente die Dunkelkammer voller Chemikalien.

DemonstrationDie technische Qualität eines Fotos wurde durch das verwendete Filmmaterial, die Objektivgüte und die Behandlung bis zum aufgehängten Abzug bestimmt. Bei Schwarzweiss konnte in einem sehr großen Bereich lange nach der Aufnahme variiert werden; Farbe war kritischer, bereits bei Umkehrfilm war es die Wahl des Filmmaterials, die bestimmte, wie das Foto aussah.

Die Systemfrage

Noch weiter zurück konnte die Kamera im Grunde ein selbst gebauter Holzkasten sein. Allerdings änderte sich das spätestens mit der Entwicklung der Kleinbildfotografie durch Leitz. Schon bald gab es Konkurrenzmodelle, und obwohl das Foto immer noch von Material und Dunkelkammerarbeit bestimmt wurde, musste der Fotograf mit seinem Gehäuse umgehen können – je besser die Handhabung war, je sauberer die Kamera gefertigt war, je größer die angebotenen Optionen waren, desto leichter hatte es der Mann hinter dem Sucher, ein ordentliches Bild nach Hause zu bringen.

Ebenso wichtig war das um eine Kamera herum gebaute System: Welche Objektive gab es? Gab es spezielle Sucher? Konnte möglicherweise ein guter Belichtungsmesser gekoppelt werden? Ab Mitte der 1950er bestimmten immer mehr japanische Hersteller den Markt, allen voran Nikon und Minolta. Während in Deutschland noch auf das technische Wissen und handwerkliche Geschick der Fotografen gesetzt wurde, entwarfen die Japaner wegweisende Konzepte und packten innovative Technik in ihre Kameras.

MusikantenBis zur Einführung von Autofokus im Massenmarkt waren aus einfachen lichtdichten Räumen komplexe feinmechanische und elektronische Werkzeuge geworden. Ab Mitte der 1980er war auch das vorbei, von nun an konnte sich – außer in Nischen – nur der Hersteller halten, der die Elektronik meisterte und seine Systeme zu eng verzahnten Computern ausbaute. Objektive kommunizierten von nun an elektronisch mit der Kamera, die wiederum dem Fotografen komplizierte Belichtungsberechnung abnahmen.

Die Kamera als Computer

Und dann kam die digitale Fotografie. Mit ihr änderte sich fast alles. Fotos wurden als Pixel gespeichert, dazu musste das Licht, das auf einen lichtempfindlichen Sensor fiel, erst in Zahlen umgerechnet werden. Der Fotograf muss jetzt auf Farbräume achten und Dateiformate kennen. Heute ist die Kamera wesentliches Instrument der Bilderstellung, nicht mehr nur ein Kasten, an den Objektive rangesetzt werden. Wobei die Bedeutung der Objektive erhalten geblieben ist; die Kamera ist jetzt aber gleichzeitig Film.

GraureiherEin wesentliches Element eines Bildes ist die Farbe. Es kommt dabei nicht unbedingt auf hohe Wiedergabetreue an – darüber in einem anderen Beitrag mehr –, sondern, auf den Look, den ein Fotograf seinen Fotos geben will. Früher suchte er sich dafür bestimmte Filme aus, jeder Hersteller war bekannt für seine Farbe, Filmreihen und –empfindlichkeiten ermöglichten recht feine Abstimmungen. Wer sich heute für eine digitale Kamera entscheidet, entscheidet auch über den Look seiner Bilder, obwohl die Unterschiede geringer sind.

Auswahl

Um konsistent gute Fotos nach Hause zu bringen, um jederzeit verwendbares Material für Kunden zu produzieren, muss ein Fotograf die richtige Ausrüstung haben. Die hängt von seinem bevorzugten Sujet ebenso ab, wie von seiner visuellen Signatur. Die Wahl einer Kamera ist somit nicht unerheblich, das beginnt bereits bei der Anzahl der Pixel, die der Sensor auflöst, geht weiter über die Größe des Sensors, seine Farbwiedergabe und so weiter und so fort.

Digicam Canon G2Stellen Sie einem guten Fotografen eine klar umrissene Aufgabe, sagen wir, er soll  das Bild eines fliegenden Graureihers mitbringen. Dann drücken Sie ihm eine Canon G2 in die Hand. Falls er nicht sofort prustend lachend auf dem Boden rollt, ist er ein sehr höflicher Mensch. Das Bild des Graureihers oben wurde mit einer D2x und einem 600 mm Nikkor gemacht.

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