Wie spät?

Ja ja ja, noch ein Artikel über die Umstellungen der Uhrzeit, die wir zweimal im Jahr durchführen. Als gäbe es nicht schon genug Rants, Anleitungen und Gebrabbel dazu. Sommerzeitumstellung scheint das grösste Problem der Deutschen zu sein. Nicht etwa die schleichende Akzeptanz antidemokratischer Nazipositionen bis hinein in den Bundestag. Ich hätt’ halt nur ein paar Anmerkungen über die unsäglichen …

Ein Argument gegen die Sommerzeit, das ich gestern las: Der Mensch spielt mal wieder Gott. Nein, tut er nicht. Abgesehen davon, dass es keinen Gott gibt, gibt es jedenfalls keine göttliche Uhrzeit. Sie ist auch nicht natürlich; Uhrzeit ist eine Erfindung der Menschen. Sie ist willkürlich. Selbstverständlich waren ihre Erfinder so nett, sie am Lauf der Sonne – die übrigens steht – zu orientieren. Interessiert aber weder den Lauf der Sterne noch die erdliche Natur.

 

Was mich zum immer wieder gern gebrachten ‚Rhythmus der Tiere’ bringt, der durch die Uhrzeitumstellung gestört würde. Äh, nein. Tiere schauen nur im Varieté auf die Uhr, ansonsten haben die ihren Rhythmus, der nicht zuletzt vom Tageslicht abhängt. Kühen ist es egal, ob auf der Uhr 5 steht oder 6, die wollen nur gern gemolken werden.

Auch Babys interessiert es eine volle Windel, welche Uhrzeit Papa abliest – füttern, wickeln, in den Schlaf schaukeln sind gefordert, wenn sie nötig sind. Wenn wir versuchen, einem Kleinstkind einen Rhythmus beizubringen, dann tun wir das aus Bequemlichkeit. Unserer Bequemlichkeit. Wir hätten ganz gern ein Kind, dass unserem Lebensrhythmus konform ist. Das gleiche bei Kühen. Vermutlich würden wir selbst nachtaktiven Tieren beibringen, unseren 9-to-5-Arbeitsrhythmus zu nutzen.

Aber das ist unser Bier, nicht deren Problem.

Es mag gute Gründe gegen eine Umstellung der Uhrzeit geben, aber Natur oder Gott spielen da nicht rein. Ich habe gar nichts dagegen, die eigene Bequemlichkeit zum Massstab zu machen, aber tut nicht so, als wären wir als Menschen nicht anpassungsfähig genug, diese läppische Stunde zweimal im Jahr zu schaffen. Schlimm genug, dass mindestens Journalisten glauben, wir seien zu blöd, die letzte verbliebene Uhr, die in unserem Haushalt noch per Hand verstellt werden muss, richtig einzustellen.

Falls Sie zu jenen gehören, die länger als 30 Sekunden darüber nachdenken müssen, wohin der Zeiger Ende März und dann wieder Ende Oktober geht, geben Sie anderen Menschen keine Ratschläge. Niemals. In keinem Bereich. Nehmen Sie jede Hilfe an, die Ihnen geboten wird. Fragen Sie, falls Ihnen keine angeboten wird!

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