Gear Talk: Der Tragegurt

Das Gummi-Pad des UPstrap Tragegurtes

UPstraps speziell strukturiertes Gummi-Pad

Man hat nie den richtigen. Hat aber den Vorteil. Immer mal was Neues auszuprobieren. Angefangen hat es vor vielen Jahrzehnten, als ich eine erste Spiegelreflex bekam. Noch mit Film, ohne jede Elektronik – auch als Hammer zu gebrauchen. Es war eine russische Zenit, die bereits zu ihrer Zeit hoffnungslos veraltet war. Zu den Dingen, die sie nicht hatte – OK, praktisch alles -, gehörte auch ein Tragegurt. Damals trug ich meine Kamera gern in einer Tasche.

Der Originalriemen kam zum Umhängen nicht in Frage. Dafür sind die mir zu knallig-werblich. Es fehlt auch an Flexibilität: fest mit der Kamera verbunden, zu kurz, zu scharfkantig [gerade mit schweren Kamera im Sommer problematisch], rutschen gerne von der Schulter, nehmen das Gewicht der Kamera nicht gut auf.

Yesteryears Tragegurte: OP/tech und UPstrap

Ein OP/tech-Neopren-Tragegurt, nicht an der Kamera

Die Schnallenschnellverschlüsse des OP/tech

Der erste Kameratrageriemen, der mir gefiel war von OP/tech. Immer noch kurz, aber seine Mischung aus Gummizug, Neopren-Hauptteil und Nylonriemchen gepaart mit Schnellverschlüssen machten die Arbeit mit den Kameras sehr viel leichter und angenehmer. Kamera aufs Stativ, Gurt im Weg? Kam nicht mehr vor, der OP/tech wurde einfach abgenommen und weggelegt. Das Neopren nahm gemeinsam mit den Gummizügen gut Gewicht von der Schulter und schnitt nicht mehr ein. Leider wippten die schwereren Kamera- und Objektivkombinationen zu stark.

Irgendwann stiess ich auf den UPstrap. Auch er mit Schnellverschlüssen, so dass der Tragegurt schnell von der Kamera getrennt werden kann. Statt auf Neopren und Gummizüge setzte er auf ein recht selbst entwickeltes dickes, sehr griffiges Gummi-Pad. Die Idee ist, das Rutschen des Gurtes von der Schulter zu verhindern, damit man die Muskeln nicht dauernd anspannt, um zu verhindern, dass die Kamera runterfällt. Und: Es funktioniert. Ich kam entspannter von Fototouren zurück.

Nicht mein Tragegurt: Black Rapid

Es ergibt sich, dass UPstraps am besten als klassischer Schultergurt eingesetzt werden, was ich inzwischen nicht mehr möchte. Oder nur noch hin und wieder. Es gibt bessere Tragemöglichkeiten, wenn man auf Fototour ist.

Der Sling-Tragegurt ist heute bei Fotografen, aber auch bei normalen Freizeittaschen, sehr beliebt. Messenger-Bags haben den ewig so, es gibt bei Fototaschen ein Hybrid-Design zwischen Schultertasche und Rucksack, bei denen die Tasche für leichten Zugriff vom Rücken nach vorne geslingt wird. Black Rapid hat den Trend für Kameratragegurte vielleicht nicht begonnen, aber zum Erfolg geführt.

Das System von Black Rapid ist denkbar einfach, benutzt das Stativgewinde der Kamera, um eine gute Tragegeometrie zu schaffen. Meine Stativgewinde sind allerdings bereits mit Schnellwechselplatten von Really Right Stuff belegt. Die machen nicht viel Sinn, wenn sie für jede Stativnutzung erst angeschraubt werden müssen. Damit kommt Black Rapid für mich nicht in Frage.

Aktueller Tragegurt: Peak Design Slide

Ankerschnellverschluss und Lederapplikation des Peak Design Slide am Anker an der Kamera befestigt

Ankerschnellverschluss und Lederapplikation des Peak Design Slide

Und dann kam Peak Design um die Ecke und machte einigen Wirbel mit dem Tragegurt Slide. Auch er lässt sich schräg über den Körper nutzen wie Black Rapid. Er hat eigene Schnellverschlüsse, um ihn schnell von der Kamera abzunehmen. Die Gurtschnallen sind so ausgelegt, dass man die Länge jederzeit schnell und beinahe einhändig anpassen kann. Das gesamte Design ist darauf ausgelegt, dem Besitzer eine hohe Flexibilität zu geben: wie ein Tourist um den Hals, cool von der Schulter runterhängen lassen, sicher und bequem quer über die Brust [Kamera landet am unteren Rücken] oder ganz schnell ohne.

Gurtverstellung des Peak Design Slide mit einem speziellen Aluminiumbügel

Einer der beiden Gurtlängenversteller des Peak Design Slide

Die Verarbeitungsqualität ist exzellent. Das Gurtmaterial ist Nylon wie für Sicherheitsgurte im Auto, allerdings als Schlauch ausgeführt. Damit gibt es keine scharfen Kanten, die leicht ausfransen. Ausserdem wurde ein sehr enges Webmuster gewählt, was den Tragegurt glatt und weich macht. Sehr angenehm zu spüren! Der Schnellverstellbügel der Schnallen aus Aluminium ist wertig, was noch durch gleiche Farbakzente auf den Schrauben und an der Lederapplikation hervorgehoben wird.

Mit Hilfe eines zweiten Peak Design Ankers kann ich den Gurt am Boden der Kamera befestigen.

Da die Really Right Stuff Stativschnellwechselplatte meiner D2x noch nicht mit einer Aufnahme für Tragegurte ausgestattet und sie ausserdem zu breit ist, musste ich mit einem zweiten Anker tricksen, um die Kamera gut tragen zu können.

Das Schnellverschlusssystem, das Peak Design benutzt, ist schneller, strukturell sicherer und erheblich kleiner als die an meinen bisherigen Tragegurten. Wer noch nie einen Tragegurt an der Kamera hatte, wird sich an diesen kurzen Verbindern vielleicht stören, weil sie ein wenig klappern. Aber das ist wirklich kaum zu merken, speziell, wenn man oder einen der oben genannten mit Schnallenschnellverschluss hatte. Die Teile, die am Gehäuse bleiben, sind viel grösser und störender. Die dünnen Bändchen an den Ankern sind aus Ultra-high-molecular-weight polyethylene, das wirklich sehr reissfest und stabil sein soll. Ich muss da der Wikipedia und dem Hersteller glauben.

Peak Design Slide von einem Anker abgenommen.

Ankerschnellverschluss des Peak Design Slide offen

Für meine Arbeitsweise, meine Vorlieben, Gewicht zu tragen, ist der Peak Design Slide im Augenblick ideal. Ich besitze zwei, einen für die Kameras und einen für meine Fototaschen. Durch das einheitliche Anschlusssystem kann ich jederzeit durchtauschen und umhängen, was ich benötige. Meist nutze ich den Gurt quer über die Brust, wie bei Messenger-Bags, kann aber auch schnell auf klassisches Tragen über eine Schulter umsteigen, sollte es zur Situation passen.

Notes:
1. Es gibt inzwischen auch eine Sling-Variante.
Es gibt inzwischen auch eine Sling-Variante.

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