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  • Mar
  • 24
  • 2011

Buzzword des Tages: ‘Wahlbetrug’

Posted by Dierk Haasis In Gesellschaft, Sprache | 1 Comment »
Klar, Worte ändern ihre Bedeutung, und ich werde jetzt niemanden mit den linguistischen Erwägungen dazu langweilen … Aber auf Teufel komm raus die Bedeutung von Wörtern der eigenen Ideologie anzupassen, ist albern. Eine Zeitlang hatten das mal als links eingestufte Kreise ganz gut drauf, weil sie darauf hofften, die miesen Bedingungen mancher Minderheit durch ein neues Label zu verbessern. Hat nicht geklappt.

Heute sind es vorwiegend selbst ernannte konservative Kreise, die beispielsweise in den USA ‘liberal’ als abwertendes Synonym für ‘Kommunistensau’ einsetzen. Komischerweise ist der Erfolg dieser Richtung, die Realität durch neue Namen zu ändern, durchaus erfolgreicher. Nicht so sehr, weil die Wirklichkeit sich ändert – so ist die Erde immer noch ca. 4,4 Mrd Jahre alt und nicht nur 6000, auch die Evolution ist nicht abgeschafft -, sondern weil viele Menschen auf die neuen Etiketten reinfallen, wie die US-Demokraten. Aber das ist ein anderes Thema.

Nun befinden wir uns, wie eigentlich immer in diesem Land, in dem Parteien und ihre Funktionäre Maximalforderungen stellen und das Blaue vom Himmel versprechen. Es interessiert weder sie noch uns Wähler, ob die Versprechen haltbar sind, es sind nicht mehr als Wunschzettel. Und wer bekommt schon immer, was er sich wünscht? Franz Müntefering ging einmal so weit, den Kritikern vorzuwerfen, wie ungerecht es doch sei, an Wahlversprechen gemessen zu werden.

Doch wenn es darum geht, dem politischen Gegner einen rein zu würgen, dann ist es vollkommen in Ordnung sogar gänzlich unpassende Vorwürfe zu erheben: von ‘Wahlbetrug’ wird dann schon mal gesprochen. Ehrlich, ein Wahlversprechen, das nicht eingehalten wird, soll Wahlbetrug sein?

Bisher haben wir damit Pseudodemokratien belegt, bei denen locker mal 98,7% aller Stimmen auf eine Partei oder sogar einen Mann abgegeben wurden – natürlich gilt das nicht für Personalentscheidungen unserer demokratischen Parteien! Wahlbetrug ist es auch, wenn Tote wählen, wie es in Chicago Jahrzehnte üblich war. Oder wenn Stimmen gekauft werden. Kurz gesagt: Wahlbetrug ist eine antidemokratische Straftat, bei der Wählerstimmen manipuliert werden.

Weder die Mehrwertsteuererhöhung vor einigen Jahren, bei der sowohl die CDU als auch die SPD im Wahlkampf was Anderes versprochen hatten, noch die vermutlich nur vorübergehende Abschaltung einiger deutscher AKWs ist Wahlbetrug. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich die Abschaltung richtig oder doof finde. Es spielt auch keine Rolle, ob ich Brüderle, Schwarz-Gelb oder Merkel mag bzw. einem von denen politisch nahe stehe. Meine persönlichen Vorlieben machen aus einem dummen Faux-pas zu einer mäßig wahrhaftigen Handlung noch keinen Wahlbetrug.

Es ist dumm, es ist unehrlich [entweder dem Wahlvolk gegenüber oder den Lobbyisten], es ist sogar albern. Nicht mehr und nicht weniger.

  • Mar
  • 19
  • 2011

On Location: Zoe III

Posted by Dierk Haasis In Foto | No Comments »

Ich hatte diese Woche die Gelegenheit, in einer Superlocation ein paar Fotos zu schießen. Hier ein paar Bilder:

Tipp: den Full Screen Button rechts drücken.

Dank an das Zoe III, Neuer Pferdemarkt 19 in Hamburg.

  • Mar
  • 16
  • 2011

Schuld sind immer die anderen

Posted by Dierk Haasis In Gesellschaft, Satire | 1 Comment »
… vor allem die da oben. Das habe ich in den letzten Tagen wieder gelernt. Egal um welches Thema es geht, die Disputanten platzieren sich auf teils uninformierten, teils uninteressierten Positionen, die religiös-eifernd umkämpft werden. Besonders hilfreich dabei: Von nichts eine Ahnung haben, aber alles wissen. Vor allem besser.

Erinnern Sie sich noch an die Debatte über die schrittweise Abschaffung der klassischen Glühbirne? So im Herbst 2009, als das Aus für die 100-Watt-Glühfadenlampe kam? Damals gab es ganz viele, ganz laute Stimmen, die das nicht gut fanden. Weil der bekannte Heizofen doch so schönes Licht macht und diese neuen Compact-Leuchtstofflampen so hässliches. Die sehen auch sonst so doof aus. Und enthalten Quecksilber. Das waren die Argumente gegen eine sehr langlebige, Strom sparende Technik.

  • Feb
  • 26
  • 2011

Wenn der Doktor zweimal klingelt

Posted by Dierk Haasis In Gesellschaft, Wissen | No Comments »
Freitagabend, kurz vor heute show dachte ich noch, dass alle Aspekte zu Herrn Guttenbergs Promotionsemulation in Blogs, Zeitschriften, Talkshows, Tweets breit ausgewalzt worden seien. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass es noch neue, gute Witze dazu gäbe. Oliver Welke und sein Autorenteam bewiesen, dass dort doch noch einiges geht. Aber darum soll es gar nicht gehen, so komisch ist die Angelegenheit nämlich nicht.

Wer mich auch nur ein wenig kennt, weiß, wie aggressiv-allergisch ich auf Anti-Intellektualismus reagiere. Nein, ob jemand dumm ist oder ungebildet, ist für mich kein Thema – solange jemand gewillt ist, dazu zu lernen und sich nicht zu einer Art Gegenelite zu stilisieren. Den meisten Menschen ist die Bedeutung von Wissen und Forschung sehr wohl bewusst, sie gehen zum Arzt, am liebsten dem Doktor, sie vertrauen auf pharmazeutische Produkte, auf chemische im Alltag – sehen Sie mal in Ihre Küche und Ihr Bad, was da alleine an Reinigungsmitteln rum steht.

  • Feb
  • 21
  • 2011

Schreiben wir’s doch richtig

Posted by Dierk Haasis In Sprache | No Comments »
Schreiben wir’s doch richtig
Wir sind doch alle Experten, wenn es um die deutsche Sprache und das Schreiben geht, oder? Wir lesen Bücher, Artikel, Blogbeiträge, Kommentareinträge. Natürlich schreiben wir auch, und das seit unserer Kindheit. Es ist wie beim Auto fahren: Alle anderen haben keine Ahnung, aber man selbst ist der beste Fahrer der Welt. Unfälle gibt es trotzdem – im Straßenverkehr wie in der Sprache. Schuld sind selbstverständlich nur die anderen.

Manchmal hat man den Eindruck, das Internet propagiert schlechtes Schreiben geradezu. Ich bezweifle, dass es am System liegt, es ist wohl mehr ein statistisches Phänomen. Wo mehr Menschen sich kundtun, da veröffentlichen halt auch mehr Falschschreiber. Ganz besonders fällt das in Kommentarbereichen zu Blogs und Artikeln auf, dort, wo viele Menschen schnell Antworten wollen. Anstatt erst einmal über das Gelesene nachzudenken, wird gefühlig losgeantwortet. Hauptsache Erster sein!

  • Feb
  • 21
  • 2011

Welches Wissen ist relevant?

Posted by Dierk Haasis In Gesellschaft, Wissen | No Comments »

Vor einiger Zeit bekam ich aus dritter Hand mit, dass es einen Streit zwischen Wikipedia-Beiträgern gibt, darüber, welche Themen überhaupt einen Eintrag in die Online-Enzyklopädie verdienen. Relevanz ist gefordert, Kriterien werden aufgestellt.

Auch wenn einige der Kriterien durchaus seltsam anmuten – angeblich zählen Online-Veröffentlichungen nicht; ich habe keine Lust das beim Stand der gegenwärtigen Diskussion zu überprüfen –, geht es mir gar nicht so sehr um die Details, die jederzeit überprüfbar bleiben und gegebenenfalls geändert werden. Mich interessiert, wozu überhaupt Relevanzkriterien – und was genau ist eigentlich Relevanz.

Wissenskosten im Vergleich

In der Vor-Internet-Zeit wurde Wissen auf Papier gesammelt und veröffentlicht, ein sehr teures Unterfangen. Selbst wirklich umfassende Lexika wie die Encyclopaedia Britannica, die mit zwei Indexbänden und einem Propaedia genannten weiteren Index immerhin auf 32 große Bände kommt, mussten entscheiden, was wirklich wichtig ist. Einbändige Konversationslexika waren natürlich noch weiter eingeschränkt.

Der Computer erleichterte nicht nur die Arbeit der Lexikographen, er machte sie auch günstiger, viel günstiger. Es geht schneller, Fehler zu korrigieren, neu Information hinzuzufügen, Daten abzurufen – obwohl der Speicherplatz unermesslich höher ist, braucht er viel weniger Raum. Die gedruckte Encyclopaedia Britannica benötigt bei mir einen eigenen kleinen Schrank, 40 cm x 78 cm x 100 cm, und die in ihr enthaltenen Daten stammen aus dem Jahr 1994. Glücklicherweise war noch ein wenig Platz im Schrank, so dass die Jahresbände, die Ereignisse bis 2003 abdecken, auch noch knapp rein passten. Gekostet hat mich das ganze damals mehrere 1000 DM.

Neben meinem Schreibtisch liegt eine unscheinbare DVD-Hülle mit einer Scheibe drin, die EB 2009; Kostenpunkt € 45. Da sich sowohl die Kostenstruktur als auch Einnahmen und Konkurrenzsituation für den Verlag verändert haben, können Sie auch die gedruckt Enzyklopädie heute für etwa € 500 erhalten – immer noch zehnmal soviel wie die DVD kostet. Interessanterweise kostet der Online-Zugang mehr als die Plastikscheibe.

  • Feb
  • 21
  • 2011

Mindestlohn

Posted by Dierk Haasis In Gesellschaft | No Comments »
Der häufig als Allheilmittel gegen Armut beschworene Mindestlohn ist keine soziale Wohltat. Dem Arbeitnehmer kann es herzlich egal sein, wer wie viel seines Lohnes zahlt. Ob er seinen Lebensunterhalt völlig aus dem bestreiten kann, was sein regulärer Arbeitgaber ihm auszahlt, oder ob er zusätzlich Hilfe aus Staats- und Sozialkassen in Anspruch nehmen muss, ist betriebswirtschaftlich für ihn egal.

Ein gesetzlich festgelegter Mindestlohn hilft allerdings eben diesen Staats- und Sozialtöpfen, weil er die Lohnkosten speziell für niegrig bezahlte Arbeit wieder dor hin bringt, wo sie hingehören: zum Arbeitgeber.

Jeder Arbeitnehmer, der zu wenig zum Leben verdient – dazu gehört selbstverständlich auch der Unterhalt einer Familie – hat aus gutem Grund in Deutschland Anrecht auf entsprechende Hilfen durch z.B. Sozialhilfe oder Wohngeld. Sofern diese Menschen aber in Vollzeitarbeit sind, ist jeder Zuschuss zu ihrem Lohn eine Subvention für das Unternehmen, dass seine Arbeitnehmer nicht ordentlich bezahlt.

Auffällig an der Diskussion um dieses Thema ist, dass ausgerechnet die Parteien und Politiker, die laut nach dem ‘freien Markt’ brüllen, offenbar wenig Schwierigkeiten haben, Unternehmen Subventionen, also durch Arbeitnehmer teuer erwirtschaftete Steuergelder, hinterher zu schmeissen.

Könnte dies der wahre Grund sein, weshalb die USA und Großbritannien – beides keine Länder, die für sozialistische Marktwirtschaft bekannt sind – einen gesetzlich festgelegten Mindestlohn haben?

  • Feb
  • 21
  • 2011

Heimliche Überwachung von Staatsbürgern

Posted by Dierk Haasis In Gesellschaft | No Comments »
‘The severe dangers from allowing the government to engage in surveillance of [citizen]s’ communications with no oversight ought to be self-evident. That government leaders will abuse unchecked powers is the most basic premise of our country since its founding, and independently, the dangers are obvious.’ [Glenn Greenwald, 31. August 2007]

So beginnt einer der unzähligen Kommentare zur Überwachung der Telekommunikation von US-Bürgern durch deren eigene Sicherheitsbehörden. Grundsätzlich ist es in den USA möglich, dass bestimmte Behörden auf konkrete Verdachtsmomente hin die Telefongespräche, E-Mails etc. ihrer eigenen Bürger abfangen bzw abhören. Allerdings nur mit richterlicher Genehmigung, dafür gibt es sogar einen eigenen Gerichtshof [FISA]. Den allerdings wollte der Präsident nicht einschalten. Das Warum bleibt hinter Nebelkerzen verborgen, da ist vage von ‘Gefahren’ die Rede, von der ‘Unabhängigkeit der Exekutive’ [= Absolutismus].

Kongressausschüsse und Gerichte klären dieses gerade. Auch wenn konkrete [Straf-]Maßnahmen in der Abhöraffäre noch ausstehen, gibt es nur wenige, die das ganze nicht als üblen und schweren Eingriff in die amerikanische Verfassung sehen.

Was geht’s uns in Deutschland an? Nun, nachdem auf der anderen Seite des Atlantik bereits über mögliche Konsequenzen nachgedacht wird – Amtsenhebung, Strafgerichte etc. -, sind unsere Sicherheitspolitiker und -behörden dabei, überhaupt erst mit einer fragwürdigen Überwachung anzufangen. Auch hier soll die demokratisch notwendige Überwachung der Überwachung – die Anordnung durch einen unabhängigen Richter – umgangen werden.

  • Feb
  • 21
  • 2011

Anti-Polismé

Posted by Dierk Haasis In Gesellschaft | No Comments »

… das auch ein sich unschuldig wähnender Käufer gestohlener Gegenstände juristisch gesehen der Hehlerei schuldig ist, dürfte für viele durchaus neu sein. Inwieweit dieser Tatbestand tatsächlich zur Strafe kommt, sei einmal dahingestellt.

Nicht so neu ist, dass Polen Autodiebe sind.

Zumindest scheint das eine Amtsrichterin in Pforzheim zu glauben. Womit sie sicherlich in Deutschland nicht alleine steht. Dabei ist das genau solch ein Unsinn, wie die immer gern benutzte Behauptung, Globalisierung senke Löhne, da ‘Polen schließlich billiger arbeiten’.

Natürlich wird jemand, der in einem Land mit niedrigerem Lebensstandard als Deutschland wohnt, auch einen niedrigeren Lohn haben. Wenn der Lebensstandard steigt, steigen auch die Einkommen [selbst in kommunistischen Ländern wie China]. Verhindern wir dies durch protektionistische Maßnahmen, müssen wir uns nicht wundern, dass Nachbarn weiterhin “unsere” Arbeitsplätze weg nehmen. Nicht dass ich ernstlich glaube, der durchschnittliche teutsche Moserkopf würde für einen Hungerlohn [oder überhaupt] 16 Stunden am Tag öffentliche Toiletten schrubben.

Da spätestens seit dem EU-Beitritt Polens auch dort Preise und Löhne gestiegen sind, lohnt es sich nicht mehr, den Auto- und Motorraddiebstahl an polnische Diebe zu vergeben – die sind inzwischen genauso teuer wie deutsche. Oder was glauben Sie, wo die billigen Ersatzteile Ihrer Autowerkstatt herkommen …

  • Feb
  • 21
  • 2011

Anti-Amerikanismus

Posted by Dierk Haasis In Gesellschaft | No Comments »
Ein guter Freund sagt einem, wie es wirklich ist; Ja-Sager sind keine Freunde.

Der Vorwurf des Anti-Amerikanismus wird – gerade in Deutschland – immer dann verwendet, wenn spezifische Kritik an Vorgängen in den USA laut wird. So als ob, beispielsweise, George W. Bush Junior alleine die USA wäre. Sicherlich gibt es viele Kritiker, deren Prämisse ist, alles, was mit den USA zu tun habe, könne nur von Übel sein.* Umgekehrt gilt natürlich natürlich auch: Viele selbst ernannte Freunde der USA verteidigen sogar menschenverachtenden Unsinn.

Hier etwas, dass Aufmerksamkeit verdient:

John Yoo publicly argued there is no law that could prevent the President from ordering the torture of a child of a suspect in custody – including by crushing that child’s testicles.

[...] John Yoo was a key architect post-9/11 Bush Administration legal policy. As a deputy assistant to then-Attorney General John Ashcroft, John Yoo authored a number of legal memos arguing for unlimited presidential powers to order torture of captive suspects, and to declare war anytime, any where, and on anyone the President deemed a threat.

Quelle: Information Clearing House

Was genau unterscheidet ‘uns’ – also die westlich-zivilisierte Welt – eigentlich von ‘denen’, das sind dann die bösen Tyrannen und Terroristen, wenn die eingesetzten Methoden dieselben sind? Haben wir die Bösen nicht definiert als jene, die freie Meinungsäußerung unterdrücken, jederzeit Kriege starten, ihre Gegner foltern?

Oder sind es einfach nur ‘die Anderen’, die, auch wenn sie in den lang erwarteten demokratischen Wahlen als Sieger hervorgehen, undemokratisch sind?

Zum Glück haben die USA, trotz aller faktischen Angriffe durch den Exekutiv-Zweig in den letzten Jahren, immer noch eine der freiesten und besten Verfassungen der Welt. Noch können Regierungen ohne Gewalt und Blutvergießen ersetzt werden [das wesentliche Kennzeichen einer Demokratie]. Das unterscheidet jenen Staat wohltuend von, sagen wir mal, Saudi-Arabien oder dem Iran, dessen eigentliche Macht durch nicht-gewählte Mullahs ausgeübt wird.

Folterer sollten eigentlich nicht an der Spitze von Staaten stehen, Regierungen sollten aktiv gegen sie vorgehen.

 

 

*Aus irgendeinem Grund fallen mir hier die toitschen Sprachreiniger ein, die englische Vokablen selbst dort ablehnen, wo sie längst zu einem integralen Bestandteil der sich entwickelnden deutschen Sprache geworden sind.

Legalese