Schreiben wir’s doch richtig

Wir sind doch alle Experten, wenn es um die deutsche Sprache und das Schreiben geht, oder? Wir lesen Bücher, Artikel, Blogbeiträge, Kommentareinträge. Natürlich schreiben wir auch, und das seit unserer Kindheit. Es ist wie beim Auto fahren: Alle anderen haben keine Ahnung, aber man selbst ist der beste Fahrer der Welt. Unfälle gibt es trotzdem – im Straßenverkehr wie in der Sprache. Schuld sind selbstverständlich nur die anderen.

Manchmal hat man den Eindruck, das Internet propagiert schlechtes Schreiben geradezu. Ich bezweifle, dass es am System liegt, es ist wohl mehr ein statistisches Phänomen. Wo mehr Menschen sich kundtun, da veröffentlichen halt auch mehr Falschschreiber. Ganz besonders fällt das in Kommentarbereichen zu Blogs und Artikeln auf, dort, wo viele Menschen schnell Antworten wollen. Anstatt erst einmal über das Gelesene nachzudenken, wird gefühlig losgeantwortet. Hauptsache Erster sein!

Niemand erwartet höchste Schreibkunst, womöglich untermauert mit tiefenpsychologischen Erkenntnissen und philosophischer Analyse. Schließlich leben wir im Meinungszeitalter, in dem nicht nur jeder seine Meinung haben, sondern sie auch ungefragt weiterverbreiten darf. Ganz unabhängig davon, wie fundiert sie ist. Oder, wie es in der englischen Science Fiction Serie Blake’s 7 einmal heißt:

I’m entitled to my opinion.

It is your assumption that we are entitled to it as well that is irritating.

Vieles, was uns schlechtes Deutsch erscheint, ist reine Geschmackssache. Das ändert allerdings nichts daran, dass es durchaus falsches und schlechtes Deutsch gibt. Letzteres vor allem, wenn Zielgruppe und Zielgruppenansprache auf verschiedenen Ebenen leben; Heidegger schrieb sicher nicht für Werftarbeiter, so doch, schrieb er schlecht. Falsches Deutsch ist entweder sehr einfach festzumachen oder sehr schwer zu fassen.

Entspricht der sprachliche Ausdruck nicht den gelernten Regeln der Sprachgemeinschaft, ist er somit unverständlich, handelt es sich um falsches Deutsch:

?wohltjetztuend Tasse. wäre eine Hummer sehr,

Das ist falsch. Ganz eindeutig, selbst wenn ich das als Gedicht verkaufen würde. Meist sind Fehler allerdings nicht so offensichtlich, oft können wir Texte verstehen, auch wenn sie fehlerhaft sind. Sehr verbreitet sind Tippfeler, die zwar den Lesefluss stören, aber nicht das Verständnis. So mancher Satz scheint keinerlei Fehler zu enthalten und ist trotzdem Unsinn:

Haben Sie jetzt auch Messer unter einem roten Glas Bananen?

Wirklich störend, und da kommen wir zurück auf Kommentarbereiche, sind jene Texte, die irgendwie aussehen, als seien sie in deutscher Sprache verfasst, aber unlesbar sind. Das fängt an mit fehlender Groß-/Kleinschreibung, geht weiter zur ‘eigenwilligen’ Grammatik und endet mit randomisierter Interpunktion. Hier merkt der geneigte ebenso wie der ungeneigte Leser, dass der Autor nicht verstanden werden will. Und da liegt die Crux: Der Leser erwartet aus Höflichkeit ihm gegenüber korrektes Deutsch. Der Schreiber braucht dies, um sein Anliegen effektiv rüber zu bringen.

Nun kann nicht jeder alles wissen, schon gar nicht im weiter wachsenden Dickicht deutscher Regelungswut. Daher hat der gewiefte Schreiber, ob Profi oder Amateur, einige wichtige Werkzeuge zur Hand. Neben dem Wörterbuch steht ihm eine praxisorientierte Grammatik zur Seite. Ich empfehle gedruckte Versionen dieser Werke:

Richtiges und gutes Deutsch Duden 9 – Richtiges und gutes Deutsch. Der türkisfarbene Band, nicht der gelbe. In alphabetischer Reihenfolge werden Fragen der Grammatik, der Rechtschreibung und des Stils für den täglichen Bedarf behandelt.

Wahrig Deutsches WörterbuchWahrig – Deutsches Wörterbuch. Das große, fette Teil, nicht das handliche kleine. Es bietet neben der Auflistung richtig geschriebener Wörter auch Bedeutungen und sogar Herkunftshinweise, so dass es einfacher wird, einen treffenden Ausdruck zu finden.

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