General Verdacht und die Kleingeistigen

Es ist so einfach, auf der FDP rumzuhacken. Die sind klein, tragen Mama Merkel das Täschchen hinterher, haben schon in der Wiege langweilige, dunkelblaue Anzüge getragen. Silvana Koch-Mehrin natürlich nicht, die trug einen blauen Rock zu heller Bluse mit um den Hals geschlungenen Designer-Pullover. Zumindest sahen die Pendants der gegenwärtigen Funktionärsriege der FDP damals bei uns in der Schule so aus.

Es ist eigentlich nicht in Ordnung, schwächere zu piesacken, sie zu verprügeln. Aber FDP-Politiker schreien im Moment danach. Es geht mir dabei nicht um deren krude Gesellschaftssicht, den religiösen Wahn, alles wäre besser, wenn es nur vom “Staat” fern gehalten würde oder der miserablen Außenpolitik. Was aber ist von einer angeblich liberalen Partei zu halten, deren prominente Mitglieder die Basis freiheitlichen Handelns en passant aufkündigen?

Eine Europapolitikerin wird bei schwerem Betrug erwischt. Ihre Verteidigung: ‘Die Arbeit ist Mist, ja, das weiß ich; das wusste aber die Universität und deren Prüfungskommission. Die sind also schuld.’ Guttenberg hat sich bei seinem Lavieren wenigstens nicht entblödet, seinen Doktorvater, Koreferenten, Professoren, früherer Kommilitonen als Deppen hinzustellen, die man ja erfolgreich übers Ohr gehauen hätte. Frau Koch-Mehrin hingegen ist stolz darauf, erfolgreich betrogen zu haben.

Sie ist allerdings nicht die einzige. Anatol Stefanowitsch erkennt einen gewissen Realitätsverlust, wie er auch in Gefängnissen weit verbreitet ist. Als Vergleich zieht er Jim Jarmuschs Down By Law heran, ich sehe eher Papermoon – allerdings nicht als Komödie, denn im echten Leben ist Betrug nicht wirklich komisch.Georgios Chatzimarkakis benutzt auch die SKM-Volte, er hätte zwar Müll abgegeben, aber es waren doch die Anderen, die ihm den Doktor verliehen haben. Sollen die doch gefälligst besser aufpassen.

Seit Tagen denke ich angestrengt darüber nach, was es über die Weltsicht dieser Politiker – und übertragen ihrer Partei – aussagt, solche Sachen von sich zu geben. Im besten Falle sehen wir hier ellenbogenerprobte Sozialdarwinisten mit Anflügen aristokratischer Attitüde. Sie haben es einfach verdient, sie sind schön, haben Erfolg [gemessen an Posten, Geld und Sendezeit], können sich durchsetzen. Ayn Rand lässt grüßen.

Und dann gibt es die kleinbürgerliche Variante: die denken sich nichts weiter. Sie glauben aber ganz ehrlich daran, dass der Bestohlene selbst schuld ist, dass der Mörder in Wirklichkeit das Opfer ist. In dieser Weltsicht ist jeder schuldig, Homo homine lupo wie Thomas Hobbes schrieb. In dieser Welt benötigt der kleine Laden an der Ecke des Alten Fritzens preußische Garde in möglichst martialischen, schwarzen Uniformen. In dieser Welt schreibt jeder Student, jeder Kandidat, jeder Doktorand dauernd ab und die Universitäten müssen entsprechende Vorkehrungen treffen.

In der Welt der Koch-Mehrins und Chatzimarkakis ist Deutschland ein Hochsicherheitsgefängnis. Schließlich kann nur so verhindert werden, dass die immer bösen Menschen den wenigen Auserwählten Schaden antun. Liberal ist das nicht.

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