Ohne Worte

Es ist schon auffällig, wie wenig sich die lautesten Verfechter von Urhebers Rechten um das wesentliche Recht des Autors kümmern: Die Identifikation. Bei Twitter schon zum running gag geworden, ist der übliche Quellverweis der Qualitätsmedien – klassische Presseorgane, deren Online-Auswürfe, sowie TV und Radio – ‘Quelle: Internet’ Ein solcher Urheberrechtshinweis zeugt nicht nur von Missachtung der Schöpfer, sondern auch von der Geringschätzung gegenüber ein klein wenig Recherche. Meist ist der Urheber eines Videos oder Fotos nämlich recht einfach zu finden.

Vor ein paar Tagen fiel mir das wieder besonders auf, als ich bei der Online-Version einer süddeutschen Tageszeitung den Aufmacher sah, einen Artikel über Selbstanzeigen von Steuerhinterziehern. Garniert war das mit einem Foto eines metallenen Schildes ‘Finanzbehörde – Rechnungshof’ angebracht auf sehr dunkelroten Ziegeln sah. Ich wollte durch einen schnellen Blick in die Metadaten wissen, ob neben der Hamburger Finanzbehörde auch noch andere solche Schilder benutzen. Leider war das nicht möglich, da sämtliche Metadaten aus der Datei entfernt worden waren.

SPIEGEL Online arbeitet zumindest in soweit besser, dass sie EXIF- und IPTC-Daten in den Fotos belassen. Für den Betrachter sind dabei vor allem die IPTC-Angaben interessant, unter denen sich u.a. der Fotograf, meist eine Headline samt erklärendem Text [‘Caption’], Aufnahmeort und –zeit finden. EXIF zeigt technische Angaben über Kamera, Belichtung, Objektiv an.

Bei SPIEGEL Online wird seit einigen Monaten so ein Bild des Tages präsentiert, das dort allerdings ‘Augenblick’ heißt. Das sieht dann so aus:

Beispielbild aus SPONs Augenblickreihe

Nicht viel Information, die wir bekommen. Gut, das Foto wurde über AFP besorgt. Der Titel ist wenig aussagekräftig, aber irgendwie passend. Wo das Foto aufgenommen wurde, wer es gemacht hat – Fehlanzeige.

Nicht immer stehen die ‘Augenblick’-Fotos so für sich allein; das gewählte Beispiel wirkt alleine durch die strenge Geometrie, die Häuser und der Himmel könnten überall sein, ohne dass sich am Bildinhalt oder an dem, was er im Betrachter auslöst etwas ändert. Das ist durchaus nicht immer so. Besonders wenn Menschen im ‘Augenblick’ zu sehen sind, möchte ich wissen, wo sie sind, wer sie sind, was sie machen.

Klickt man bei SPON auf das Foto bzw. zur Archiv-Galerie, erhält man immerhin eine anständige Caption, die den Kontext herstellt. Lädt der geneigte Betrachter sich das Foto auf seinen Computer, kann er auch die Metadaten betrachten. Je nachdem, wie ordentlich Fotograf und Agentur sie ausgefüllt haben, findet man mehr oder weniger Erhellendes.

Den ‘Augenblick’ vom 2. Januar fand ich bei meiner Suche nach mehr Information – Fotograf und Ort – übrigens einen Tag vorher bei der Washington Post.

SPONs Augenblick-Foto vom 2. Januar 2014 einen tag vorher in der Washington Post - dort sauber beschriftet

Ich wünschte mir, alle Qulaitätsmedien, denen angeblich so viel am Wohl des Urheber[recht]s liegt, würden notwendige Informationen, wie die Namen der Fotografen, oder interessante, wie Aufnahmeort, in einer guten Caption zum Bild veröffentlichen. Und Metadaten nicht zugunsten angeblich verringerter Ladezeiten aus Fotos löschen.

Notes:
1. Gut, ganz so schlimm ist es nicht, meist ist es schlimmer, da die Qualitätsmedien gerne die Plattform angeben, auf der sie was gefunden haben, z.B. YouTube.
2. Möglich wäre das, aber die freundliche Recherche von @pyrolim zeigte, dass ich mich nicht geirrt hatte. Das Aufmacherbild zeigte Hamburgs Rechnungshof.
3. Hier müssen mehr die Browserhersteller nachsitzen, damit die Daten auch direkt im Browser angezeigt werden können. Zumindest für EXIF habe ich einige Chrome/Opera-kompatible Erweiterungen gefunden.
4. Ganz grob, nicht die Namen der Individuen.
5. Tun Sie es besser nicht.
Gut, ganz so schlimm ist es nicht, meist ist es schlimmer, da die Qualitätsmedien gerne die Plattform angeben, auf der sie was gefunden haben, z.B. YouTube.
Möglich wäre das, aber die freundliche Recherche von @pyrolim zeigte, dass ich mich nicht geirrt hatte. Das Aufmacherbild zeigte Hamburgs Rechnungshof.
Hier müssen mehr die Browserhersteller nachsitzen, damit die Daten auch direkt im Browser angezeigt werden können. Zumindest für EXIF habe ich einige Chrome/Opera-kompatible Erweiterungen gefunden.
Ganz grob, nicht die Namen der Individuen.
Tun Sie es besser nicht.

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