Alles sicher, oder was?

Weg geworfener Einmalhandschuh zeigt uns den MittelfingerMittelfingerEs wäre schon viel gewonnen, wenn nicht dauernd der Eindruck erweckt würde, Digital oder Internet wären inhärent sicherer als offline. Dann würden Menschen nicht jedesmal überrascht, erschrocken oder empört, wenn eine Lücke bekannt oder sogar ausgenutzt wird. Es gäbe dann hinterher auch nicht diesen sinnfreien Diskussionen, was man den nun machen sollte und was besser lassen.

Wir könnten dann auch auf die gähnend öde Dichotomie “real life” vs. online verzichten. Das Internet und Smartphones sind ebenso Teil des “echten” Lebens wie Autos und Kochtöpfe. Beide – online und offline – sind so sicher oder unsicher wie die Menschen, die sich darin bewegen. Allerdings sind Unfälle in der Küche oder mit Autos oft ungleich folgenreicher als das gehackte Instagram-Konto.

Pisser, die Nacktfotos ihrer Ex im Freundeskreis rum zeigen, gab es vor dem allgegenwärtigen Internet, sie haben heute ein grösseres Publikum – dessen Interesse sehr viel geringer und kürzer ist. Das hat sich vor Apple iCloud nicht gehört, es war vor Facebook straf- und zivilrechtlich relevant und es ist vor xhamster ein Zeichen für charakterlose Schweine gewesen. Das alles ist heute immer noch so. Es gilt übrigens auch für gestohlene Akte Prominenter, egal, ob aus dem Handschuhfach oder iCloud. Selbst wenn diese nicht ganz geschlossen sind, greift man da nicht rein, holt was raus und verteilt es an die Welt.

Sie können das auf alle Bereiche des Lebens übertragen: Bitcoin kann gehackt werden? Ihre Geldbörse samt Barem und Plastik auch. Man nennt das dann ‘stehlen’. Überweisungen können man beim Online-Banking genauso schief gehen wie beim Offline-Banking. Briefkästen werden geknackt, Post wird gestohlen, Zeitungen schreiben Blödsinn, das Fernsehen zeigt Schwachsinn, Personen reden Stuss, Bullies beleidigen. Es soll vorkommen, dass Menschen anonyme Drohungen ganz ohne online erhalten!

Das Leben ist nicht absolut sicher. Sicherheit ist immer relativ – zu Kosten, zu Beziehungen, zu Bequemlichkeit, zu Genuss.

Lasst uns aufhören, einen anderen Eindruck zu erwecken.

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