Fotos in die moderne Dunkelkammer oder nicht?

Jeder Fotograf sieht das anders und jeder Betrachter kämpft gegen die Sicht, die ihm missfällt: Fotos bearbeiten oder nicht.

Ob Fotos bearbeitet werden dürfen, ist keine Frage aus dem Digitalzeitalter. Es gab auch früher schon die Fraktionen Dunkelkammer vs. In-der-Kamera-korrekt. Die zweite Gruppe ist dabei die schärfere. Und vergisst gern, dass Bearbeitung immer stattfindet – von der Wahl des Bildausschnittsd, über das Objektiv und den Film bzw. Sensor mit In-Camera-Picture-Setting bis hin zum Ausgleich technischer Defizite.

Digitalkameras nehmen mehr oder weniger Schwarzweissbilder auf, die von Software zu Farbbildern zusammengesetzt werden. Wie soll die Farbe aussehen? Kamerahersteller bieten Picture Settings an, mit denen Sättigung, Schärfe und Kontrast eingestellt werden. Wer in der Kamera JPEGs speichert, nutzt die Voreinstellungen. Fotografen, die auf RAW setzen, spielen hinterher in Software wie Adobe Lightroom/Camera RAW, Capture One oder RAWTherapee an denselben Parametern. Die Flexibilität ist dabei deutlich grösser.

RAW hat auch den Vorteil, sich Jahre nach der Erst”entwicklung” neu zu entscheiden und ein Foto seinem veränderten Geschmack anzupassen. Auch das haben Fotografen bereits in der Vordigitalen Zeit getan.

Wie wenig wahr unsere spontane Sicht auf die Welt ist, sieht man an den folgenden beiden Versionen desselben Bildes. Die erste, blaue, ist so alt wie das Foto, als 10 Jahre, die zweite erstellte ich heute:

Der verblaute Schnee ist ein Klassiker der Korrektur. Und dürfte eigentlich nicht korrigiert werden, denn Schnee reflektiert die Farbe, die ihn trifft. Bei direktem Sonnenlicht, je nach Stand der Sonne, kann das Gelborange sein oder weiss aussehen. Letzteres hat eher etwas mit der Belichtung zu tun. Schnee im Schatten ist blau, er zeigt die Farbe der grössten Lichtquelle – des Himmels.Im Bild oben war der Himmel komplett bedeckt, die Wolken zeigten aber diesen merkwürdigen Blaugrauton, der auf den verschneiten Dächern auch zu sehen ist.

Vor 10 Jahren fand ich gerade das sehr schön, nicht nur, weil es den Schnee zeigt, wie er war, sondern weil es einen sehr schönen Farbkontrast zu den gelborangen Lichtern darstellt. Mit Hilfe des Nebels lässt es die Stadt Hamburg etwas unwirklich aussehen, wie aus einem düsteren Science-Fiction-Film oder märchenhaft. Genau die Fassung wurde zu einem meiner Desktop-Hintergrundbilder.

Heute störte mich der blaue Schnee und ich machte mich daran, ihn farblich neutraler zu gestalten, sprich, die Farbtemperatur des Schnees anzupassen. Der Himmel sollte blau bleiben. Auch die Lichter erscheinen mir in der alten Version zu hell und zu gelb, wurden somit auch überarbeitet. Das Bild entspricht damit mehr dem, was unser Gehirn aus dem, was unsere Augen ihm liefern, baut.

Mal sehen, wie lange mir diese Fassung gefällt und was ich beim nächsten Mal ändere.

Notes:
1. Einige kleinere Fehler in der Retusche sind in der blauen Version zu sehen, auch die wurden heute korrigiert.
Einige kleinere Fehler in der Retusche sind in der blauen Version zu sehen, auch die wurden heute korrigiert.

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