Moralin, sauer

[…] sind Verhaltensregeln der radikalen Moslems festgehalten: Kein Alkohol, kein Glücksspiel, keine Musik und Konzerte, keine Pornografie und Prostitution, keine Drogen.

Ich sage es nur ungern, aber diese Verhaltensregeln klingen wie die diverser christlicher Gruppen. Oder einiger nicht-konfessioneller, pseudo-emanzipatorischer Gruppen. Sicher, nicht alle Vereinigungen wollen gleich alles verbieten, die CSU steht zum Beispiel auf dem Standpunkt, dass der Genuss grosser Mengen Alkohols gar nicht schlecht sein kann. Sie feiert ihn immerzu.

Glücksspiel ist so eine Sache, wenn eine grosse Portion Können dazu gehört und der Glücksanteil eher niedrig ist, wird gerne verboten. Lotto, Roulette und Rubbellose sind aber kein Problem, weil [schwache Begründung]. Musik und Konzerte sind vor allem einem gepflegten Bürgertum ein Dorn im Auge, weil es da in der Nachbarschaft laut wird. Man braucht schliesslich seinen Schlaf, ob zur Nacht oder zu Mittag spielt keine Rolle. Lärm ist eh ibäh, davon können Kinder ein Lied singen – oder besser nicht, sie wissen schon.

Anders als akzeptierte Bürgertumsdrogen wie Anabolika, Ruhigsteller, Aufputscher, Alkohol, Nikotin – und sicher bald Marihuana/Haschisch, da deren Anwender inzwischen einen guten Teil des gehobenen Bürgertums stellen –, gehören schmutzige Drogen, also jene, die Arbeitskraft stark stören und vor allem von ärmeren Menschen genommen werden, verboten. Ihre Benutzer strengstens bestraft, im ‘Krieg gegen Drogen’ muss alles Recht sein! Gut, ausser dass die speziellen Rechtsordnungen des Krieges nicht gelten. Wer erwischt wird, ist kein Kriegsgefangener, hat auch nicht dessen Rechte. Er ist mehr so Geschmeiss.

Pornografie und Prostitution bringen immer die seltsamsten Bündnisse gegen sich zusammen. Von verklemmten Protestanten über den katholischen Heuchler bis zur Hardcore-Feministin finden sie das alles nicht nur ibäh, sie halten es für den Untergang des Abendlandes. Wenn es der Fall des Morgenlandes ist, wird es allerdings schwierig. Immerhin sind alle Verschleierungsformen auch irgendwie doof.

Die genannten Klemmer und Heuchler kennen sich immerhin mit Nutten und Ferkelfilmen aus. Erstere haben ein schlechtes Gewissen, sind sich aber bewusst, dass ausser ihnen niemand mit Schweinkram umgehen kann. Letztere beichten und gut ist; aber es sind halt nicht alle Katholen. Daher müssen diese anderen geschützt werden.

Hätten die Salafisten bloss eine interkonfessionelle Gruppe abrahamitischer Ökumene gebildet und ‘Moral’ statt ‘Scharia’ geschrieben.

Notes:
1. In den USA bsplw. werden Crack-Anwender sehr viel stärker geächtet, verfolgt und bestraft, als Kokainisten.
In den USA bsplw. werden Crack-Anwender sehr viel stärker geächtet, verfolgt und bestraft, als Kokainisten.

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