Kein Bild sagt mehr als ein paar Wörter

Seit Jahren bemühen Fotografen sich, ihre [digitalen] Bilder ordentlich zu beschreiben – Schlüsselwörter, Titel, Caption und was es alles gibt, wird sauber ausgefüllt. Gerade wenn man über Agenturen verkauft ist das nicht nur nötig, sondern Minimalanforderung. Die Suchmaschinen der Bildagenturen ermöglichen es Zeitschriften und Online-News-Outlets schnell und zielgenau Fotos zu finden. Inzwischen geht das sogar automatisch, was nicht selten zu komischen oder peinlichen Ergebnissen führt, weil Schlüsselwörter falsch zugeordnet werden.

Für Magazine und Zeitungen hat die Verschlagwortung durch Fotografen auch den Vorteil, weniger recherchieren und nachfragen zu müssen. Was auf dem Bild zu sehen ist, wird in dessen Metadaten eingeordnet, systematisch, formal und inhaltlich. Aber warum nutzen Redaktionen diese Daten so selten?

In den letzten Monaten haben die größeren und einige kleinere Onlinemagazine sich gegenseitig die Idee zum Bild des Tages gekl… haben viele Redaktionen dieselbe Idee gehabt: Lasst uns ein inspirierendes, schönes, lustiges Foto als Bild des Tages ans Ende der Frontpage packen. Das steht dann da ohne weitere Erläuterung, bestenfalls mit einer besonders originellen Überschrift und der Leser scrollt die ganze Seite runter, um das zu sehen. Jeden Tag. Das ergibt auch ein schönes Argument gegenüber Anzeigenkunden.

Bei SPON sah das am 22. Juli 2013, gegen 13 Uhr [und vorher und später] so aus:

Für das britische 'History Live!' spielen Menschen Soldaten verschiedener Epochen [Bild von SPON samt Bildeigenschaftendialog des Browsers]

Das Originalfoto stammt von Oli Scarff

 

Ich sehe einmal gnädig über den Titel weg, den der Bildredakteur vermutlich lustich fand. Aber warum gibt es keine Erläuterung, weshalb dort römische Legionäre zwischen deutschen Soldaten des Zweiten Weltkriegs marschieren? Wo wurde das Foto aufgenommen, bei welcher Gelegenheit? Nicht einmal ein Alt-Tag, der sehbehinderten Sitebesuchern helfen würde, wurde vergeben.

Weder Opera 12.16 noch die aktuellen Chrome- und Firefox-Versionen zeigen zu diesem Bild mehr an, als den Bildreadktionstitel von SPON. Speichere ich das Biuld auf meinem Rechner und schaue mit Adobe Bridge [oder anderen Programmen, die Metadaten anzeigen] ein wenig genauer hin …

Screenshot aus Adobe Bridge: Zeigt das Bild mit den Soldaten samt Caption und Description des Fotografen

Oli Scarff, der Fotograf, gab dem Foto den Titel

Two Thousand Re-Enactors Participate In English Heritage History Live!

und die Beschreibung

KELMARSH, UNITED KINGDOM – JULY 20:  Re-enactors take part in the ‘Grand Parade’ during the ‘History Live!’ event at Kelmarsh Hall in Northamptonshire on July 20, 2013 in Kelmarsh, England. The English Heritage event ‘History Live!’ brings together over 2000 re-enactors to animate 2000 years of English history. The re-enactment highlights include: the Battle of Hastings, Wars of the Roses, Roman soldiers and the D-Day landings.  (Photo by Oli Scarff/Getty Images)

mit auf den Weg.

Ist es zu viel von Bildredaktionen verlangt – und SPON steht da nicht alleine –, diese Caption zu nutzen und daraus eine für ihre Leser verständliche zu basteln? Außerdem wäre es schön, wenn Fotografen wie es sich gehört eine Byline direkt am Bild bekämen.

 

[Edit 25. Juli 2013, 8:10 Uhr]

Mike Johnston veröffentlichte eine kleine Vignette zum selben Thema.

Notes:
1. Ich habe vorsichtshalber auch in den Quellcode geschaut, das Alt-Attribut steht dort ohne Wert.
Ich habe vorsichtshalber auch in den Quellcode geschaut, das Alt-Attribut steht dort ohne Wert.

  1 comment for “Kein Bild sagt mehr als ein paar Wörter

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