Schuld sind immer die anderen

… vor allem die da oben. Das habe ich in den letzten Tagen wieder gelernt. Egal um welches Thema es geht, die Disputanten platzieren sich auf teils uninformierten, teils uninteressierten Positionen, die religiös-eifernd umkämpft werden. Besonders hilfreich dabei: Von nichts eine Ahnung haben, aber alles wissen. Vor allem besser.

Erinnern Sie sich noch an die Debatte über die schrittweise Abschaffung der klassischen Glühbirne? So im Herbst 2009, als das Aus für die 100-Watt-Glühfadenlampe kam? Damals gab es ganz viele, ganz laute Stimmen, die das nicht gut fanden. Weil der bekannte Heizofen doch so schönes Licht macht und diese neuen Compact-Leuchtstofflampen so hässliches. Die sehen auch sonst so doof aus. Und enthalten Quecksilber. Das waren die Argumente gegen eine sehr langlebige, Strom sparende Technik.

Alles wird teurer und schlechter

Woran Sie sich sicher schon selbst beteiligt haben: Spritpreisdiskussion. Gerade wieder aktuell, weil die Mineralölindustrie wieder einmal eine im ersten Moment plausibele Ausrede gefunden hat – die Unruhen in Libyen. Nicht zu vergessen die Einführung von Super E10. Letzteres hundsmiserabel kommuniziert, keine Frage. Gerade die deutschen Automobilhersteller, die keine Lust haben, sparsame Autos zu bauen, haben sich hier in keiner Weise mit Ruhm bekleckert.

Im Augenblick tobt wieder der Krieg ums Atom, genau gesagt: Atomkraftwerke. Während vor wenigen Wochen nur die üblichen Verdächtigen diese riesigen Steuerfresser abschalten wollten, hat sich nach dem Sekundärereignis ‘Fukushima’ inzwischen eine breite Front gegen Atomstrom gebildet. Nicht in Japan, sondern vor allem am anderen Ende der Welt, in Deutschland. Es gibt sehr gute Argumente dafür, den Ausstieg zu forcieren, ihn noch schneller zu bewerkstelligen, als Rot-Grün es mal angedacht hatte. Es wäre auch möglich, wenn …

So hätten wir’s gern

Wir kleinen, dummen, lahmarschigen Verbraucher warten darauf, dass unsere Führer uns erklären, was wir tun sollen. Wir erwarten direkte Handlungsanweisungen, über die wir zu gegebener Zeit laut lamentieren können. Politiker sind an allem schuld. Sie müssen, ähnlich Spitzensportlern, sofort zu jedem Ereignis eine verständliche Antwort parat haben. Sie müssen zu ihren Dummheiten von gestern stehen, sonst wären sie ja nicht glaubwürdig. Natürlich müssen unsere Politiker auch Hellseher sein, sie müssen den gestrigen und heutigen Wissenststand rückwärts runterbeten können, aber ganz genau wissen, was in 20 Jahren passieren wird, um für die Zeit in 50 Jahren zu planen.

Widerstreitende Interessen, widersprüchliche Informationen, widerstrebende Bewertungen, Kompromisse sind in diesem Weltbild fehl am Platze, sie kommen nicht vor, nicht einmal, wenn die Forderer darauf hingewiesen werden. Nehmen Sie die Sicherheitspolitik, wenn es darum geht, die Anderen schnell, lange und unangenehm ins Gefängnis zu bringen, sind sehr viele unsere eigentlich ganz netten Nachbarn schnell dabei. Eine evangelische Priesterin fährt besoffen Alkohol? Rübe runter! Aber wehe, die Polizei kontrolliert im Karneval oder zum Oktoberfest verstärkt Autofahrer auf Schnaps im Blut.

Tun wir doch mal selbst was

Werfen wir noch einmal einen Blick auf unsere AKWs. In der bisherigen Diskussion bestimmten 30 Jahre lang die Lobbyisten das Bild. Das war auch gar nicht schwierig, da wir Verbraucher es bequem mögen. Bei mir kommt der Strom aus der Steckdose und da soll er auch weiter herkommen. Wehe dem, der so ein Wort in den Mund wie ‘sparen’ – das ist doch irgendwie sozialistisch, wo kämen wir denn da hin!

Natürlich finden wir das nicht gut, wenn da so viel Kohlendioxid in der Atmosphäre rumschwebt und irgendwas anrichtet. Wir würden auch gerne unsere Stromrechnung senken, aber diese hässlichen CLCs kommen mir nicht ins Haus! Mein Fernseher bleibt rund um die Uhr auf Stand-by, meinen Kaffee mahle ich elektrisch, und diese Einwegbatterien sind viel praktischer als wiederaufladbare. Sind ja nicht in der Steinzeit, oder was?!

Notes:
1. Edit 14. Januar 2014: Das muss natürlich Auto heißen, nicht Alkohol.
Edit 14. Januar 2014: Das muss natürlich Auto heißen, nicht Alkohol.

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