Lesekompetenz – der Schnellkurs

Im Grunde ist es gar nicht so schwierig, seine Lesekompetenz zu verbessern. Niemand benötigt dafür ein literaturwissenschaftliches Studium, auch wenn das in vielerlei Hinsicht hilfreich ist. Aber die meisten Texte, die uns täglich unter die Augen geraten, setzen selten historische Referenzen ein, benutzen kaum komplexe Symbolik oder raffinierteste Metaphern. Die meisten Texte sind ohnehin Gebrauchstexte, mal gut geschriebene Polemik, um einen politischen Standpunkt möglichst undeutlich zu machen, Leser emotional anzupacken und aus deren Bauch heraus zu überzeugen. Und mal sind sie miserabel geschriebene Bedienungsanleitungen und Hilfesysteme, die durch automatisierte Maschinenübersetzungen nicht durchsichtiger werden.

Vila: I’m entitled to my opinion.

Avon: It is your assumption that we are entitled to it as well that is irritating.

Anders als in Zeiten vor dem Internet als billigem Kommunikationsmittel für alle, wurden Texte früher – das soll auch heute noch vorkommen, besonders bei Publikationen, die aus der klassischen Medienwelt [‘Presse’] stammen – vorsortiert und redigiert. Das traf die angestellten Journalisten ebenso wie Briefe, die Leser einschickten. Heute heißen Leserbriefe Kommentare und werden zu allem und jedem abgegeben. Genau wie früher zeichnen sich 83,2568974% aller Kommentare durch eine starke Meinung aus. Dabei ist es völlig egal, was das für eine ist, wo sie herkommt oder ob sie irgendwas mit dem kommentierten Text zu tun hat. Meinungen sind billig zu haben, sie sind wie Löcher, jeder Arsch kann damit dienen.

Ich gehe natürlich nicht davon aus, dass diese Leserbriefschreiber – Entschuldigung: Kommentaristen – aus Boshaftigkeit Müll schreiben. Oder aus Dummheit. Die Schule hat bei ihnen einfach versagt, als es ums Thema Lesekompetenz ging. Man brachte ihnen Buchstaben bei, Wörter, sogar wie Sätze aussehen. Selbst da haben viele nicht recht aufgepasst. Aber so schwierig ist das mit der Lesekompetenz nicht, Sie müssen sich nur an zwei einfache Tipps halten:

 

  1. Lesen Sie Texte, bevor Sie eine Meinung dazu haben.
  2. Denken Sie über den Text nach, bevor Sie Ihre Meinung in die Tastatur tippen.

 

Konsequent angewendet führen diese Tipps zu einem erfüllten Leben. OK, das ist übertrieben, aber sie führen zu einer anständigen Streitkultur, in der man sich nicht dauernd anbrüllt. Nachteil: Man könnte etwas lernen.

PS: Im Kneipenlog haben wir uns gerade darüber unterhalten, wie viel Aufregung einer Diskussion gut tut.

 

Notes:
1. aus der englischen Science-Fiction-Serie Blake’s 7 von Terry Nation
aus der englischen Science-Fiction-Serie Blake’s 7 von Terry Nation

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Comments

6 responses to “Lesekompetenz – der Schnellkurs”

  1. ali avatar

    Du hast so recht! Endlich spricht es jemand aus. Diese Pisa Studien sind von kranken EU Bürokraten ausgedacht um Deutsch zu verdrängen.

  2. Dierk Haasis on Facebook avatar

    ali commented on es bleibt schwierig:

    Du hast so recht! Endlich spricht es jemand aus. Diese Pisa Studien sind von kranken EU Bürokraten ausgedacht um Deutsch zu verdrängen.

  3. jhermes avatar
    jhermes

    tl;dr

  4. Dierk Haasis on Facebook avatar

    jhermes commented on es bleibt schwierig:

    tl;dr

  5. […] ich Menschen, die so komplett an Texten vorbei lesen, wie es hier geschieht, zu meinem Schnellkurs in Lesekompetenz. Ich war zwar bereits leicht genervt von den Antworten, die aussehen, als würde einem […]

  6. […] die einfach verständlich sind. Zur Sicherheit hier zusätzlich der Link zu meinem Schnellkurs ‚Lesekompetenz‘. Viel […]

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