Christen hassen Hasen!

Seit ungefähr 2 Wochen schmunzelt Deutschland ein wenig erregt über Kirchen- und Behördenvertreter vor allem in Hessen, weil man dort das Abendland retten möchte. Wieder einmal. Diesmal geht es gegen die bösen Tanzwütigen, denen die genagelte Märchenfigur Jesus Christus am Bein vorbei geht. Das hat über Jahrzehnte niemanden weiter gestört, da es einfach kein Thema war – es gab wohl nie genug ‘Tanz unterm Kreuz’-Veranstaltungen, dass es sich gelohnt hätte Ordnungsamtsmitarbeiter vor die Tür zu jagen. Na ja, wenn denn die Amts- und Würdenträger nichts Besseres zu tun haben …

Aber es wird noch besser. Mir wurde konspirativ eine Information zugespielt, ein Artikel aus der Münsterschen Zeitung, über die neueste Erregung ganz privaten Ärgernisses: die Buchhandelskette Thalia macht Werbung mit Hasen!

Da haben die Werbestrategen doch tatsächlich geschrieben ‘Die schönsten Geschenke fürs Hasenfest’. Und es beschweren sich nicht etwa die Hasen und Lämmer und abgetriebenen Hühner [vulgo: Ostereier], sondern eine Pfarrerin aus Münster. Zuerst einmal passt ihr nicht, dass ‘Ostern’ nicht genannt wird, jener zutiefst christliche Begriff für dieses in jeder Hinsicht christliche Fest. Nur schade, dass sie bereits hier beweist, wenig Ahnung von Kultur-, Sprach und Kirchengeschichte zu haben. Oder Theologie oder Sprachsystematik.

Weder das Fest noch das Wort sind ursächlich christlich. Das Fest verbindet heidnische Fruchtbarkeitstraditionen mit jüdischen Bräuchen. Das Wort wiederum wird von einigen zurückgeführt auf die griechische Göttin der Morgenröte, von anderen auf eine germanische Frühjahrsgöttin. Wie so oft haben also gar nicht mal so frühe Christen bei ihren Übernahmeverhandlung – oft mit Feuer und Schwert, siehe Karl der Große – sich einfach die Feste und Wörter anderer unter den Nagel gerissen.

Die Pfarrerin aus Münster weiß aber auch, dass es das Wort ‘Hasenfest’ nicht gibt, vermutlich sagt ihr das ihr Darmhirn, das bekanntlich größer ist als das zum Denken vorgesehene. Damit liegt so schon logisch schwer daneben, denn schließlich muss sie das Wort, das es nicht gibt, benutzen, um zu erklären, dass es nicht existiert. Ich vermute, daran haben selbst Heidegger-Schüler zu knabbern.

‘Hasenfest’ klingt nicht ungewöhnlich, benutzt weder morphologisch noch semantisch ungewöhnliche Wege, es steht in einer Linie mit Hasenherz, Hasenscharte, Hasenfurz, Häschenschule. Es ist ein deutsches Wort, nicht einmal die Damen und Herren vom VDS dürften darob erzürnt sein. Was also will Frau Dr. Erika Schweizer?

Klar, uns allen mal zeigen, dass Christi Auferstehung zeitlich, moralisch und überhaupt VOR Ei und Fruchtbarkeit kommen. Und es fällt mir schwer hier keinen iocus ejaculatio von mir zu geben. Wir können recht sicher sein, dass Thalia auch dann angegiftet worden wäre, hätten die Werber sich für ‘Ostern’ statt ‘Hasenfest’ entschieden. Schließlich wäre das ja nur die Durchkommerzialisierung des Osterfestes, so wie Weihnachten schon rein käuflich ist. Als verstünden Christen nichts von Käuflichkeit.

Mir ist im Grunde wurscht, welcher Aberglaube die Menschen durch ihr mehr oder weniger tristes Leben bringt; es wäre schön, sie würden durch ihn erheitert, nicht vergrämt. Was mich stört, ist der Versuch jedem anderen diesen oder jenen Albernglauben aufzudrängen. Glaube ist nicht Religion ist nicht Kirche. Und die Kirche sollte wirklich das eigene Haus in Ordnung bringen, statt meines, deines oder das von Thalia mit Besen zu traktieren. Ein wenig verwunderlich finde ich, dass die Buchhandlung nicht wegen des heidnischen Namens angegriffen wurde. In Münster scheint alles möglich.

Notes:
1. Edit 10. Mai 2015: Da die Zeitung diesen Artikel anscheinend aus ihrer Online-Präsenz getilgt hat, zum Internet Archive verlinkt.
Edit 10. Mai 2015: Da die Zeitung diesen Artikel anscheinend aus ihrer Online-Präsenz getilgt hat, zum Internet Archive verlinkt.

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